Der Wahlkampf wird auch im Kopf entschieden
- Tobias Frehner
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Bern wählt in weniger als einem Monat ein neues Parlament und eine neue Regierung. 2261 Personen kandidieren auf 160 Listen. Meine Auswertung zeigt: Die FDP-Familie stellt mit insgesamt 327 Kandidierenden die grösste Anzahl aller Parteien. Ein sehr positives Zeichen, denn neben einem starken Wahlkampf ist auch der Glaube an die eigene Fähigkeit, zu gewinnen, entscheidend für das Wahlergebnis.
In weniger als einem Monat entscheidet die Berner Bevölkerung, in welche Richtung sich der Kanton in den nächsten vier Jahren politisch entwickeln soll. Insgesamt stellen sich 2261 Personen auf 160 Listen zur Wahl, so weit nichts Neues. Ich habe mir aber nun einmal angeschaut, welche Parteien wie viele Personen ins Rennen schicken und wie sich diese Zahlen in den vergangenen drei Legislaturen entwickelt haben.
Gemäss dieser Auswertung der eingereichten Listen stellt die FDP-Familie für die Grossratswahlen 2026 im Kanton Bern 327 Kandidierende – mehr als jede andere Partei in diesen Wahlen 2026. Das ist ein unglaublich positives Signal für die Breite, Präsenz und Mobilisierungskraft der FDP im Kanton Bern.
Und trotzdem höre ich im Wahlkampf oft denselben reflexhaften Satz: «Ja, aber …»
Ja, aber die letzten Jahre. Ja, aber die Schlagzeilen. Ja, aber die Niederlagen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass ein Wahlkampf nicht nur auf der Strasse gewonnen wird, sondern auch der Kopf eine entscheidende Rolle spielt. Wer innerlich nicht daran glaubt, dass die eigene Partei im Wahlkampf etwas bewegen und einen Sieg erringen kann, wird defensiv, und diese defensive Haltung sieht man sofort: in der Energie, im Auftritt, in der Anzahl der Personen, die im Wahlkampf aktiv den Kontakt mit den Menschen auf der Strasse suchen.
Wie sich die Anzahl der Kandidierenden seit 2018 verändert hat und was auffällt.
Die FDP bleibt stabil hoch und legt bis 2026 nochmals zu (+23 Kandidierende seit 2018).
Die GLP baut am stärksten aus (+72 seit 2018) – ein klares Mobilisierungssignal.
SP und EVP liegen 2026 ebenfalls hoch (je 321 Personen).
SVP ist 2026 bei den Kandidaturen tiefer als 2018 (-16).
Die Mitte trotz Fusion BDP/CVP ebenfalls (-40).
Bei den Grünen sieht man über die Jahre einen klaren Ausbau (trotz leicht tieferem Niveau 2026 als 2022).
Natürlich, die Anzahl der Kandidierenden ist kein direkter Sitzfaktor. Aber sie lässt Rückschlüsse auf den Organisations- und Mobilisierungsgrad der jeweiligen Parteien zu.
Und diese Energie innerhalb der einzelnen Parteien ist im Wahlkampf bekanntlich eine enorm wichtige Währung.
Selbstverständlich ersetzt die Mannschaftsstärke nicht den inneren Zustand einer Kampagne. Man kann viele Kandidierende haben und trotzdem verlieren. Der positive Effekt der eigenen Überzeugung kann aber nicht wegdiskutiert werden. In der Psychologie ist das spannend beschrieben. So zeigt etwa Albert Bandura mit dem Konzept der Selbstwirksamkeit, dass die Überzeugung «Ich kann etwas bewirken» beeinflusst, ob man handelt, wie viel Energie man investiert und wie lange man trotz Rückschlägen dranbleibt.
Wer also an die eigene Gewinnfähigkeit glaubt, wirkt anders und arbeitet anders. Das ist beispielsweise auch in der Militärforschung belegt: Kampfeswille, Moral und Kampfbereitschaft sind entscheidende Faktoren, welche über Sieg oder Niederlage entscheiden können.
Für mich als Wahlkampfleiter ist es also nicht nur entscheidend, meinen Kandidierenden die Mittel für den Wahlkampf rechtzeitig zur Verfügung zu stellen, sondern auch, klare Ziele zu definieren und den Glauben an den Sieg gezielt zu stärken. Ein erstes, äusserst positives Signal ist aus meiner Sicht, dass wir 2026 tatsächlich die grösste Mannschaft aller Parteien stellen können.
Es wäre also vollkommen irrational und kontraproduktiv, in dieser Situation mental defensiv aufzutreten. Genau darum dürfen wir uns nicht von den ewig gleichen Kritikern und Gegnern der Partei oder negativen Medienberichten verunsichern lassen.
Mein Tipp für die letzten Wochen ist entsprechend simpel: Die FDP soll nicht nur antreten wie eine gewinnende Kraft, sondern auch überall mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein auftreten. Das ist keine Selbsttäuschung, sondern begründete Zuversicht, die man in den letzten Wochen der Kampagne spüren muss: in Sprache, Ausdauer und Präsenz auf der Strasse.



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