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Individualbesteuerung – Schluss mit der Steuer-Nostalgie!

In der aktuellen Debatte um die Individualbesteuerung fällt mir auf: Die Gegner verharren in der Vergangenheit und verkaufen uns diese Kurzsichtigkeit als «Werte». Dabei ist ein Steuersystem weder ein Rabatt-Büchlein noch ein Ratgeber zur Gestaltung des Privatlebens, sondern das finanzielle Fundament, mit dem alle ihren Beitrag an das Gemeinwohl leisten.


Vierzig Jahre Zankerei sind genug.

Seit vier Jahrzehnten wissen wir, dass die gemeinsame Besteuerung bundesrechtswidrig ist. Seit 40 Jahren schaffen wir es nicht, das System zu reformieren. Wer jetzt gegen die Individualbesteuerung schiesst, ignoriert, dass das Leben im Fluss ist: Wir sind Lehrlinge, Fachkräfte, Eltern, Rentner. Wir heiraten, wir lassen uns scheiden (immerhin rund 40 % der Ehen) oder werden verwitwet. Die einzige Konstante ist die Steuerpflicht. Es ist absurd, dass sich die steuerliche Identität, die wir mit 18 erhalten, bei der Heirat auflöst. Das entspricht nicht unserer Lebensrealität.


Realitätssinn statt Nostalgie.

Die Reform ist kein Angriff auf die Familie, im Gegenteil, sie respektiert jedes Lebensmodell. Heute sind 84 % der Mütter erwerbstätig; das Einverdienermodell ist die Ausnahme. Dass statistisch 14 % der Haushalte - meist gutverdienende Einverdiener - moderat mehr bezahlen könnten, ist kein Dauerzustand, sondern eine Momentaufnahme einer bestimmten Lebensphase. Ändert sich die Situation, etwa durch den Wiedereinstieg in den Beruf, gehören auch sie wieder zu den Gewinnern. Es geht um die Langzeitbilanz, nicht um den Kontoauszug von heute.


Zurück in die Zukunft.

Wir alle wollen als Individuen wahrgenommen werden, ob wir heiraten, darf nicht von einem Steuersystem diktiert werden. Ein System notabene, das aus einer Zeit stammt, in der die Frau die Einwilligung des Ehemannes brauchte, wenn sie erwerbstätig sein oder ein Bankkonto eröffnen wollte.


Hören wir auf, das Steuersystem durch den Rückspiegel zu betrachten.

Es ist Zeit für ein System, das so dynamisch ist wie unsere Biografien. Deshalb - Ja zur Individualbesteuerung.


Sandra Hess - Grossrätin, Präsidentin FDP.Die Liberalen Kanton Bern


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