UKW weg – und dann?
- Sandra Hess

- vor 24 Minuten
- 2 Min. Lesezeit
Erinnern Sie sich noch an das Rauschen zwischen den Sendern? An ausziehbare Antennen und die
Suche nach der richtigen Frequenz? Das UKW-Radio war über Generationen der verlässlichste Weg zu
Nachrichten aus nah und fern. Ein paar Batterien im Küchenradio oder die Zündung im Auto genügten,
und man wusste, was Sache ist. Diese Gewissheit verschwindet gerade aus dem Äther.
Die UKW-Abschaltung ist im vollen Gange. Die Technologie sei veraltet und der Betrieb zu teuer, heisst
es. Die Zukunft ist digital. Doch es regt sich politischer Widerstand. Dabei geht es einmal nicht um die
SRG, sondern um etwas Grundsätzliches: Wie erreicht uns der Staat bei einem Blackout, wenn das
Handy stumm und das WLAN tot ist?
Nach den schweren Unwettern im April 2025 zeigte sich, wie rasch unsere modernen
Informationssysteme an ihre Grenzen stossen. Wenn Strom und Funkmasten ausfallen, nützt die
beste Alarm-App nichts. Die FDP-Fraktion des Grossen Rates wollte deshalb vom Regierungsrat
wissen, welche Risiken er für die Erreichbarkeit der Bevölkerung im Kanton Bern sieht, wenn digitale
Kanäle versagen und das UKW-Netz abgeschaltet ist.
Die Antwort ist ernüchternd: Krisenkommunikation sei Sache des Bundes. In Bundesbern werde
derzeit eine «Multikanalstrategie zur Information, Warnung und Alarmierung der Bevölkerung»
entwickelt. Die Zukunft heisse «Cell Broadcast» - Kurznachrichten direkt aufs Handy. Gleichzeitig
solle jedoch das bewährte Notfallradio (IBBK) abgeschaltet und die Verantwortung für die Sirenen-
Alarmierung an die Kantone übertragen werden.
Mit anderen Worten: Wir bauen bewährte Sicherheitsnetze ab und verlassen uns stattdessen auf
Technik, die beim ersten Stromausfall selbst den Geist aufgibt. Das ist nicht modern, das ist eine
Wette - darauf, dass Blackouts nur kurz dauern und Mobilfunk immer funktioniert. Doch Sicherheit
sollte nicht auf Hoffnung basieren. Sicherheit bedeutet: Wenn ein System ausfällt, funktioniert ein
anderes.
UKW ist nicht modern, aber robust. Digitalisierung ist gut und notwendig. Doch bei aller Euphorie über
technologische Quantensprünge sollte man nicht vergessen, dass auch das modernste System nur
so stark ist wie seine Stromversorgung. Wer das letzte stabile Netz kappt, bevor sich das neue
bewährt hat, handelt nicht mutig, sondern fahrlässig. Und im Ernstfall wird sich niemand fragen, ob
die Technologie modern ist - sondern nur, ob sie funktioniert.
Die FDP bleibt am Thema dran, denn Krisenkommunikation darf kein digitales Glücksspiel sein.
Hier geht es zur UKW-Motion von Sandra Hess
Sandra Hess - Grossrätin, Präsidentin FDP.Die Liberalen Kanton Bern









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