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Was darf oder muss Sicherheit kosten?

Rund 170 Gäste erlebten auf dem Waffenplatz Thun einen sicherheitspolitischen

Themenabend mit beeindruckenden Perspektiven, klaren Positionen und Antworten auf

drängende Fragen.

«Sichere neue Welt?» Unter diesem Motto stand am Dienstagabend, 27. Januar, ein

Sicherheitspolitischer Themenabend auf dem Waffenplatz Thun. Jener Stadt, die mit

Armasuisse und ihrem Drohnen- und Robotikzentrum, dem C5I-Campus und der Empa

«einen zentralen Part in der Sicherheitsarchitektur unseres Landes einnimmt», wie

Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) in seiner Begrüssung sagte.


Im prominent besetzten Referenten-Feld sagte der kantonal-bernische Regierungsrat

und Sicherheitsdirektor Philippe Müller: «Es ist nicht mehr wie vor 30 Jahren. Krieg,

Gewalt und Bandenkriminalität bedrohen auch uns ganz direkt. Wir müssen endlich

aufwachen. Die rosaroten Zeiten sind vorbei und zwar endgültig.»


Divisionär Rolf A. Siegenthaler, Chef der Logistikbasis der Armee, sagte klipp und klar:

«Heute ist die Schweiz nicht verteidigungsfähig. Wir als Armee können zwar die

Armeeangehörigen im Umgang mit den vorhandenen Mitteln ausbilden. Aber diese Mittel

muss der Staat jetzt dringend zur Verfügung stellen.» Thomas Rothacher, Leiter des

Kompetenzbereichs Wissenschaft und Technologie bei armasuisse und stellvertretender

Rüstungschef, stellte fest: «Alle Sensoren deuten darauf hin, dass wir ab 2028/29 mit

einer grösseren kriegerischen Auseinandersetzung in Europa rechnen müssen.» Für diese

müsse die Schweiz sich jetzt wappnen – zum Beispiel in der Zusammenarbeit mit dem

Ausland, aber auch mit einer massiven Aufrüstung.


Weil all diese Anforderungen ein beachtliches Preisschild haben, ist für Grossrat,

Rechtsanwalt und Oberst im Generalstab Christoph Zimmerli (FDP) klar: Der Bund muss

seine Sicherheitsausgaben erhöhen. «Heute geben wir 6 Milliarden für die Verteidigung

aus», sagte Zimmerli vor den rund 170 Anwesenden in der Panzerhalle L auf dem

Waffenplatz Thun. «Ich und meine Mitunterzeichner fordern, dass der Bund diese

Ausgaben auf 2 Prozent des Bruttoinlandproduktes erhöht – oder umgerechnet auf rund

16 Milliarden.»


Dass Sicherheit wesentlich vielschichtiger ist und sich nicht nur auf das Zusammenspiel

von Staat, Armee und Polizei beschränkt, zeigten die Voten der Teilnehmerinnen und

Teilnehmer der Panel-Diskussion im Anschluss an die vier Fachreferate.


Eveline Salzmann (SVP), Gemeinderätin und Sicherheitsvorsteherin der Stadt Thun und

früher Richterin, nannte den «gezielten Einsatz von Kameras» als Möglichkeit, das

Sicherheitsgefühl im Alltag zu verbessern. «Ich war in meinem Amt als Richterin

wiederholt in Situationen, in denen Kameraaufnahmen hätten helfen können, Täter dingfest

zu machen.» Die 18-jährige Kommunikationsstudentin Joana Kollros mahnte, nicht immer

gleich nach dem Staat zu rufen: «Wir müssen alle bei uns selbst anfangen und uns fragen,

welchen Beitrag wir zu einer sicheren Gesellschaft leisten können», sagte sie. «Sicherheit

bedeutet auch, Zivilcourage zu zeigen und in kritischen Situationen handeln, anstatt

wegzusehen», sagte die 25-jährige Özge Göl.


Daniel Bichsel (SVP), Gemeindepräsident von Zollikofen und Präsident des Verbands

bernischer Gemeinden, stellte fest, dass «gerade der Umgang mit der Covid-Pandemie

gezeigt hat, zu was wir als Gesellschaft fähig sind, wenn es darauf ankommt.» Dem

pflichtete sein Parteikollege Pierre-Alain Schnegg, Regierungsrat und

Gesundheitsdirektor des Kantons Bern, bei: «Manchmal braucht es etwas Druck», sagte

er. «Aber der Mensch hat in der Vergangenheit wiederholt bewiesen, wozu er fähig ist,

wenn er unter Druck ist.»


Reno Berner ist heute im Justizvollzug und der Wiedereingliederung im Kanton Zürich

tätig und befasste sich zuvor bei der Migros Aare unter anderem mit dem Thema

Versorgungssicherheit. «Einfache Massnahmen im Alltag, wie das Anlegen eines

Notvorrats, können helfen, in kritischen Situationen die persönliche Versorgung so lange

aufrecht zu erhalten, bis Notmassnahmen eingeleitet werden können.» Dabei, so Berner,

denke er nicht einmal primär an einen Kriegsfall. «Schon ein grossflächiger Stromausfall

über mehrere Stunden oder wenige Tage hat rasch systemkritische Folgen.»


Im Anschluss an eine Diskussion, die vielfältige Sichtweisen auf ein vielschichtiges Thema

illustrierte, nahmen die Gäste die Gelegenheit wahr, den Referenten sowie den

Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Diskussionsrunde beim Apéro persönlich auf den

Zahn zu fühlen. Dies nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen

von Parlament und Regierung im Kanton Bern am 29. März 2026.


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