Was darf oder muss Sicherheit kosten?
- Konrad E. Mosser

- 28. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Rund 170 Gäste erlebten auf dem Waffenplatz Thun einen sicherheitspolitischen
Themenabend mit beeindruckenden Perspektiven, klaren Positionen und Antworten auf
drängende Fragen.

«Sichere neue Welt?» Unter diesem Motto stand am Dienstagabend, 27. Januar, ein
Sicherheitspolitischer Themenabend auf dem Waffenplatz Thun. Jener Stadt, die mit
Armasuisse und ihrem Drohnen- und Robotikzentrum, dem C5I-Campus und der Empa
«einen zentralen Part in der Sicherheitsarchitektur unseres Landes einnimmt», wie
Stadtpräsident Raphael Lanz (SVP) in seiner Begrüssung sagte.
Im prominent besetzten Referenten-Feld sagte der kantonal-bernische Regierungsrat
und Sicherheitsdirektor Philippe Müller: «Es ist nicht mehr wie vor 30 Jahren. Krieg,
Gewalt und Bandenkriminalität bedrohen auch uns ganz direkt. Wir müssen endlich
aufwachen. Die rosaroten Zeiten sind vorbei und zwar endgültig.»
Divisionär Rolf A. Siegenthaler, Chef der Logistikbasis der Armee, sagte klipp und klar:
«Heute ist die Schweiz nicht verteidigungsfähig. Wir als Armee können zwar die
Armeeangehörigen im Umgang mit den vorhandenen Mitteln ausbilden. Aber diese Mittel
muss der Staat jetzt dringend zur Verfügung stellen.» Thomas Rothacher, Leiter des
Kompetenzbereichs Wissenschaft und Technologie bei armasuisse und stellvertretender
Rüstungschef, stellte fest: «Alle Sensoren deuten darauf hin, dass wir ab 2028/29 mit
einer grösseren kriegerischen Auseinandersetzung in Europa rechnen müssen.» Für diese
müsse die Schweiz sich jetzt wappnen – zum Beispiel in der Zusammenarbeit mit dem
Ausland, aber auch mit einer massiven Aufrüstung.
Weil all diese Anforderungen ein beachtliches Preisschild haben, ist für Grossrat,
Rechtsanwalt und Oberst im Generalstab Christoph Zimmerli (FDP) klar: Der Bund muss
seine Sicherheitsausgaben erhöhen. «Heute geben wir 6 Milliarden für die Verteidigung
aus», sagte Zimmerli vor den rund 170 Anwesenden in der Panzerhalle L auf dem
Waffenplatz Thun. «Ich und meine Mitunterzeichner fordern, dass der Bund diese
Ausgaben auf 2 Prozent des Bruttoinlandproduktes erhöht – oder umgerechnet auf rund
16 Milliarden.»
Dass Sicherheit wesentlich vielschichtiger ist und sich nicht nur auf das Zusammenspiel
von Staat, Armee und Polizei beschränkt, zeigten die Voten der Teilnehmerinnen und
Teilnehmer der Panel-Diskussion im Anschluss an die vier Fachreferate.
Eveline Salzmann (SVP), Gemeinderätin und Sicherheitsvorsteherin der Stadt Thun und
früher Richterin, nannte den «gezielten Einsatz von Kameras» als Möglichkeit, das
Sicherheitsgefühl im Alltag zu verbessern. «Ich war in meinem Amt als Richterin
wiederholt in Situationen, in denen Kameraaufnahmen hätten helfen können, Täter dingfest
zu machen.» Die 18-jährige Kommunikationsstudentin Joana Kollros mahnte, nicht immer
gleich nach dem Staat zu rufen: «Wir müssen alle bei uns selbst anfangen und uns fragen,
welchen Beitrag wir zu einer sicheren Gesellschaft leisten können», sagte sie. «Sicherheit
bedeutet auch, Zivilcourage zu zeigen und in kritischen Situationen handeln, anstatt
wegzusehen», sagte die 25-jährige Özge Göl.
Daniel Bichsel (SVP), Gemeindepräsident von Zollikofen und Präsident des Verbands
bernischer Gemeinden, stellte fest, dass «gerade der Umgang mit der Covid-Pandemie
gezeigt hat, zu was wir als Gesellschaft fähig sind, wenn es darauf ankommt.» Dem
pflichtete sein Parteikollege Pierre-Alain Schnegg, Regierungsrat und
Gesundheitsdirektor des Kantons Bern, bei: «Manchmal braucht es etwas Druck», sagte
er. «Aber der Mensch hat in der Vergangenheit wiederholt bewiesen, wozu er fähig ist,
wenn er unter Druck ist.»
Reno Berner ist heute im Justizvollzug und der Wiedereingliederung im Kanton Zürich
tätig und befasste sich zuvor bei der Migros Aare unter anderem mit dem Thema
Versorgungssicherheit. «Einfache Massnahmen im Alltag, wie das Anlegen eines
Notvorrats, können helfen, in kritischen Situationen die persönliche Versorgung so lange
aufrecht zu erhalten, bis Notmassnahmen eingeleitet werden können.» Dabei, so Berner,
denke er nicht einmal primär an einen Kriegsfall. «Schon ein grossflächiger Stromausfall
über mehrere Stunden oder wenige Tage hat rasch systemkritische Folgen.»
Im Anschluss an eine Diskussion, die vielfältige Sichtweisen auf ein vielschichtiges Thema
illustrierte, nahmen die Gäste die Gelegenheit wahr, den Referenten sowie den
Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Diskussionsrunde beim Apéro persönlich auf den
Zahn zu fühlen. Dies nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Gesamterneuerungswahlen
von Parlament und Regierung im Kanton Bern am 29. März 2026.



























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